DJK - im Dialog mit Kirche

Fußball-Fans fiebern

Wieder einmal geht die Fußball-Bundesliga auf ihr jährliches Ende zu. Die Meisterschaft ist längst entschieden, die Plätze, die zur Teilnahme an der Champion-Wettbewerb berechtigen, sind bereits vergeben, nur um den Abstieg gibt es ein heißes Ringen. Gut so! – Sport im Allgemeinen und die Fußball-Bundesliga lebt ja besonders von Spannung und Dramatik. An solchen Tagen wird immer wieder einmal deutlich, dass Fußballsport „durchsetzt ist mit dem Vokabular der Religionen“, wie Chefredakteur Krinninger im „Passauer Bistumsblatt“ (Nr. 20 vom 17. Mai 2015) schreibt. Darauf will mit seinen wie mit eigenen Worten nachfolgend kurz eingehen, da mir seine Gedanken einfach zusagen und als Begleitworte zu einer wiederum aufregenden Bundesliga-Saison taugen.

Da müsste schon „ein Wunder“ geschehen, wenn sich der Verein X noch retten würde. Da gehen Fans und Fan-Gruppen „durch die Hölle“, weil sich „ihr“ Verein erst kurz vor Spielende, nach dramatischem Spielverlauf mit viel Auf und Ab gerade noch retten konnte. Da fühlen sich begeisterte Zuschauer wie „im Himmel“, weil der Abstieg vermieden, der Aufstieg erreicht werden konnte. Die Vokabular-Liste ließe sich unschwer erweitern; man denke nur „an die Hand Gottes“, die dem Fußball-Star Diego Maradona so schwer zugesetzt hat. Krinninger lässt seine Leserinnen und Leser gar wissen, dass „ selbst das Wort `Fan` einen religiösen Hintergrund hat. Es leitet sich vom lateinischen `fanaticus` ab, was mit `göttlich begeistert` übersetzt werden kann.“

Der gleichermaßen Fußball begeisterte wie kritische Beobachter stößt an Grenzen. Ist es also doch so, dass Fußball zu einer Art Ersatzreligion geworden ist? Der Fußball-Fan erlebt Woche für Woche starke Gefühle der Zusammengehörigkeit, auf dem Weg ins Stadion – in wahre Tempel des Sports, im Block C inmitten singender und aufkreischender Gleichgesinnter – im Brutkessel für Glück oder Trauer, in nach Spielende abziehenden Gruppen – mehr oder weniger im Inneren betroffen, mehr oder weniger euphorisiert. Mitgebrachte Symbole eifern zusätzlich an, eingeübte Rituale befeuern das Geschehen, dass auch zum Ziel hat, sich in der Gruppe wohlzufühlen, sich von der Gruppe tragen zu lassen, ein Stück Heimat zu erleben.

Und dennoch bleibt der Sport nur ein Ersatz, ein Trostpflaster für den Augenblick. Krinninger meint: „Wie genial die Männer oder Frauen auf dem Feld auch spielen, Fußball (Anm./Autor: das gilt für alle Sportarten) bleibt letzten Endes ein herrliches Spiel. DJK-Sportfreunden kommen bei solcher Formulierung Worte von Ludwig Wolker in den Sinn, einem der Großen im DJK-Sport, der davon ausging, dass Sport immer Spiel bleiben muss. Halt und Geborgenheit müssen aber auch über den „seligen Augenblick hinaus“ Bestand haben, auch dann also, wenn es an die Grenzen von Menschsein geht. Da hilft der schönste Sieg auf Spielfeldern und Sportanlagen nicht weiter „Der Glaube schon“, schließt Krinninger seinen Beitrag, „aber auch er kann tröstende Kraft nur entfalten, wenn man ihn eingeübt hat, wenn man die Rituale kennt. Und wenn man nicht ausschließt, dass gelegentlich sogar einmal ein Wunder geschieht.“

Karl Grün, 22.05.2015


Dreiklang „ Sport, Geld, Religion“ hinterfragen

 
Liebe DJK-Sportfreunde! Ich gestehe, es ist ein wenig gewagt diese Überschrift. Als DJK stecken jedoch viele Vereine drin in diesem Dreiklang: Sport – Geld – Religion. Ich möchte eine Erklärung des Dreiklangs versuchen:
 
Sport ist etwas Wichtiges, etwas Gutes, etwas Richtiges. Es dient der „Ertüchtigung“, der Fitness, dem Spaß, der Gesundheit, der Unterhaltung, der Freizeitgestaltung.
 
Geld ist notwendig, wir brauchen es, wir gönnen uns mit Geld so manch einen der vielen Wünsche. Auch für die vielen Vereine (vor allem vor Ort) ist das Geld wichtig.
 
Religion ist aus meiner Sicht lebensnotwendig. Sie gibt mir Antworten auf Fragen, die allein von der naturwissenschaftlichen Abteilung nicht endgültig erklärt werden können. Fragen wie „Woher komme ich?“, „Was ist meine Bestimmung hier auf Erden?“, Wohin führt mich letztendlich mein Leben?“ sind ur-religiös.
 
Sport kann dann zum Problem werden, wenn dabei die menschlichen Grundprinzipien verlassen werden. Eines der Grundprinzipien des Menschen lautet: Ist das, was ich tue, gut für mich als Mensch? Auf den Sport übertragen, darf ich fragen: Sind alle Möglichkeiten, die ich brauche, um Erfolg zu haben, mit meinem Menschsein zu vereinbaren?
Es hört sich sehr einfach an; scheint dennoch nicht so selbstverständlich zu sein, wie es sich anhört.
 
Ich lade Leser/Leserinnen ein, einmal darüber nachzudenken.
 
Euer DV-Beirat Wolfgang Zopora

„Partner Kirche“ – nach dem Geschmack des DJK-Sportverbandes

 
Pfarrer und Geistlicher Beirat im DJK Landesverband Bayern Cambensy sprach beim Kleinen Landesverbandstag der DJK Bayern in Würzburg am 26.10.2013 die folgenden Fürbitten beim Anfangsgottesdienst in der Hauskapelle der Oberzeller Schwestern. Diese hat einmal Kardinal König (Wien) formuliert. Pfarrer Cambensy brachte die Fürbitten im Zusammenhang mit einer Erinnerung zur „Kirchweih“ dem „Erntedankfest der Kirche“, wie er meinte, „und das betreffe auch den DJK-Sportverband. Die Gemeinde antwortete nach jeder Bitte mit dem Ruf „Geh mit uns auf unserm Weg!“
Wir drucken die Fürbitten ab, um unsere Zugehörigkeit zur Kirche zu unterstreichen. Wir empfehlen den DJK-Sportvereinen, ggf. die Bitten in Gottesdiensten sprechen zu lassen, immer auch unter Verweis auf den Verfasser, Kardinal König aus Wien.
 
Zelebrant: Als Fürbitten tragen wir eine Vision von Kirche vor Gott, wie sie Kardinal König einmal formuliert hat:
 
Vorbeter:
  • Die Kirche Christi sei: Eine einladende Kirche. Eine Kirche der offenen Türen. Eine wärmende, mütterliche Kirche. Eine Kirche der Generationen!
 
  • Die Kirche Christi sei: Eine Kirche des Verstehens und Mitfühlens, des Mitdenkens. Eine Kirche, die mit den Menschen lacht und mit den Menschen weint. Eine Kirche, der nichts fremd ist und die nicht fremd tut.
 
  • Die Kirche Christi sei: Eine Kirche, die wie eine Mutter auf ihre Kinder warten kann. Eine Kirche, die ihre Kinder sucht und ihnen nachgeht. Eine Kirche, die die Menschen dort aufsucht, wo sie sind.
 
  • Die Kirche Christi sei: Eine Kirche, die nicht verhandelt und nicht feilscht, die nicht Bedingungen stellt oder Vorleistungen verlangt. Eine Kirche der Kleinen, der Armen und Erfolglosen, Mühseligen und Beladenen, der Scheiternden und Gescheiterten – im Leben, im Beruf, in der Ehe.
 
  • Die Kirche Christi sei: Eine Kirche der Würdigen, aber auch der Unwürdigen, der heiligen, aber auch der Sünder. Eine Kirche – nicht der frommen Sprüche, sondern der stillen, helfenden Tat. Eine Kirche des Volkes.
 
  • Die Kirche Christi sei: Eine Kirche derer, die im Schatten stehen, der Weinenden, der Trauernden und derer, die auf das ewige Leben hoffen.
 
Zelebrant: Herr, du gibst uns die Kraft, mit dir in dieser Weise zu leben. Dir sei Dank und Ehre…. Amen!
 
Aber auch der Gedanke muss erlaubt sein:
DJK sollte sich nicht nur eine solche Kirche wünschen. Nein – die Eigenschaften einer solchen Kirche sollten auch zum Programm der eigenen DJK-Gemeinschaft gehören.
 
(Karl Grün, Stellvertretender DJK-DV Vorsitzender)

Sehr erfindungsreich!

 
Meine Verwunderung ist groß, sehr groß – und sie hält an. Ich muss aufpassen, dass Verwunderung nicht zur Verärgerung wird. Warum? – Im Main-Echo vom Montag, 24.09.2012 las ich auf der Titelseite unter der großformatigen Überschrift „Sich regen bringt Segen", dass ein Pfarrer der evangelischen Kirche namens Zwing in Mittelsinn einen Fitness-Gottesdienst gefeiert hat; einen Gottesdienst in einem Fitness-Studio mit dem Motto „Fit for fun – fit for god". In diesem Zusammenhang wird noch auf die Walking-Andacht in Heigenbrücken aufmerksam gemacht, die ebenfalls wie seit zwei bis drei Jahren dort von einem Pfarrer der katholischen Kirche gehalten wird. Und der Reporter folgert: Die Idee, Sport und Glaube zu verbinden, ist nicht neu. Beide Seiten sind auf der Suche nach innovativen Konzepte sehr erfindungsreich.
Pfarrer Zwing (er hat in letzter Zeit aus gesundheitlichen Gründen 26 Kilo abgenommen) wollte - nach eigenem Ballastabwurf - nicht nur ein Zeichen für körperliches Wohlbefinden setzen, er wollte Wege zum Herrn zeigen. Auch an Unsportliche erging herzliche Einladung, „Kopfstände" waren von niemandem gefordert, Schwitzen war nicht angesagt.
Ich denke gerne – und bei solchen Ereignissen besonders – an „meine DJK", der ich seit 1953 angehöre. Ich erinnere mich (oder soll ich besser sagen: ich muss mich noch erinnern…) noch an regelmäßige Gruppenabende mit dem Ortspfarrer, der uns Jugendliche angesprochen hat, aber kaum begeistert hat. Er hielt Ansprachen oder Vorträge, redete uns ins Gewissen, nahm negative Entwicklungen im Sport ins Visier oder fragwürdiges Einzelgeschehen um Sportler auf`s Korn. Wir spürten natürlich, dass es ihm um uns selbst, um unsere Persönlichkeitsentwicklung, um uns als Christenmenschen usw. gegangen ist. Böse waren wir ihm nicht, zumindest nehme ich dies für mich in Anspruch. Er kümmerte sich um uns – ganzheitlich, weniger um den Körper, dafür war ja der Übungsleiter zuständig, mehr um Geist und Seele.
Und genau das halte ich heute noch für unendlich wichtig: Sport soll, ja muss den ganzen Menschen ansprechen. „Um des Menschen willen", das ist es auch, was (DJK-)Sport und Kirche eint, in Tagen, wo die Menschen – jung oder alt – zunehmend den Körper entdecken, leider bisweilen zu Ungunsten von Geist und Seele.
Und gerade deshalb äußere ich einen Wunsch: Die Sportwelt (nicht nur die Sportwelt der DJK) braucht eine intakte und offene Kirche, die dem anderen vertraut. Sie braucht den Priester, den Diakon, den … oder die … Referenten/Referentin im kirchlichen Dienst, um dem Menschen ganzheitlich und somit menschenwürdig zu begegnen. Leibsorge kann zur Seelsorge werden.
Und noch ein Hinweis, keine Kritik! Fitness-Studio – so weit gut und recht! DJK-Sport muss zusammen mit der ihr verbundenen Kirche hellwach sein und bleiben. Er darf sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen; er muss vielmehr kräftig mit „einstreichen". Priester könnten dabei einen gewichtigen Teil übernehmen, das muss ihnen gesagt werden. Auch wenn ein DJK-Verein oder DJK-Verband, vielmehr als alle anderen kirchlichen Erwachsenenverbände, eine Pastoral betreiben muss, die aufgrund der religiös höchst differenzierten Mitglieder fast schon allzu sehr eine Pastoral für Fernstehende ist, wird bzw. sein muss, muss er die Begegnung mit der katholischen Kirche haben, umgekehrt freilich auch suchen. „Begegnung braucht Bewegung", hieß einmal das Motto eines DJK Bundestages, der in Bad Tölz abgehalten wurde. Die Erfahrungen hallen noch heute nach. Ich wünsche mir, dass die Kirche auf diesem Feld ihre Chance noch bewusster wahrnimmt. (DJK-)Sport kann auch ein Weg zum Herrn sein. Innovativ sollte beide sein …!
Karl Grün
Stellvertretender Vorsitzender im Diözesanverband Würzburg

Lasst euer Herz nicht verwirren (Joh 14, 1– 6)

 

Im Johannes-Evangelium heißt es: Euer Herz sei ohne Angst! Jesus sagt dieses Trost- bzw. Mutmachwort seinen Jüngern, als er zum Glauben ermahnen will. Er fordert seine unsicheren Begleiter auf, sich mit ihm auf den Weg zu machen. Tomas fragt den Meister: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir den Weg kennen? (Joh 14, 5). Jesus antwortet: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben."
Jesus bietet den Jüngern, dies gilt freilich für alle Menschen, Hilfe und Unterstützung an, in einem Dreierschritt: Weg – Wahrheit – Leben. Wer seinen Alltag und seinen Glauben danach lebt, der schlägt eine Richtung ein, die zum Ziel führt.
Hat Jesu Rat nicht auch etwas mit dem Dreiklang zu tun, der im DJK-Sport gleichzeitig Anspruch und Wegzeichen ist: Fairplay – Gemeinschaftsgeist – Glauben? Es lohnt allemal, auf Jesus zu schauen, auf ihn zu hören und sich zu fragen, was er in dieser oder jener Situation sagen, was er tun würde. Formulieren wir doch einmal mögliche Antworten:
Seid eine Fairplay-Gemeinschaft! Seid eine Geist-Gemeinschaft! Seid eine Glaubensgemeinschaft! Dann werdet ihr rechte Wege gehen, werdet ihr DJK tun und leben, werdet ihr eure Ziele in DJK-Verband und DJKVerein gut erreichen. Dann werdet ihr als DJK für
Menschen in Freizeit und bei Sport not-wendig sein.
DJK muss sich immer wieder neu auf den Weg machen. Nur dann, nur im Glauben an Jesus lassen sich Stolpersteine sehen, lassen sich Schwächen erkennen. Mit Jesus lassen sich die Wahrheiten und Stärken erkennen. Ja, es gibt auch im DJK-Leben beeindruckende Stärken. Im Abwägen von Stärken und Schwächen lassen sich Prioritäten setzen, die uns in Verband und Verein weiter tragen können. Diese tragen DJK-Sport dann, wenn im Geiste Jesu der Mensch angenommen, auf ihn gesehen und gesetzt wird – bei Sport, Bewegung und Spiel, in Bildung und geistvoller Auseinandersetzung, im christlichen Miteinander.
(Pfarrer Michael Krammer/DJK Kothen und geistlicher DV-Präses, sprach eingangs der Klausurtagung der
Diözesanvorstandschaft und der DV-Sportjugend 2012 auf dem Volkersberg einen geistlichen Impuls zur
aufgeworfenen Frage: Quo vadis – DJK? Wohin gehst du – DJK? Seine Gedanken hat – in Teilen
sinngemäß – der stellvertretende DV-Vorsitzende Karl Grün zusammengefasst.)